Impulsgeber der kreativen Welt

Der von Time Magazine als berühmtester Industriedesigner des amerikanischen Doppelkontinents bezeichnete Künstler Karim Rashid ist als einer der wichtigsten Impulsgeber der kreativen Welt. Der in Kairo geborene New Yorker ist der Inbegriff des Multitaskers. Ihn als produktiv zu bezeichnen, wird der Qualität, Quantität und Vielfalt seiner Werke – von Gläsern bis zu Gebäuden – nicht gerecht. Er entwarf Produkte, die millionenfach verkauft wurden, erhielt mehr als 300 Auszeichnungen und war in über 40 Ländern tätig. Hier diskutiert er seine Werke und wählt zehn seiner persönlichen Lieblingsdesigns aus

Interview Isobel Jones

Ein gutes Design verleiht dem Alltag eine positive Note“, sagt Karim Rashid, einer der erfolgreichsten Design-Künstler, dessen Portfolio Produkte, Gebäude, Mode, Möbel, Beleuchtungselemente und Kunst umfasst. Seit über 30 Jahren setzt er bei der Wahl der Produkte und des Materials immer neue Maßstäbe. Seinen für ihn typischen Stil nennt er selbst „sinnlichen Minimalismus“. Er springt ins Auge, ist oft überschwänglich, zeichnet sich durch Kurven aus und strahlt eine Heiterkeit aus, die ansteckend zu sein scheint.
Rashid war einer der Ersten, der Gebrauchsgegenstände zu Symbolen des modernen Designs machte. Nach seinem Abschluss in Industriedesign 1982 an der Carleton University in Ottawa, Kanada, widmete Rashid sich in Italien einem Design-Aufbaustudium. Sein großer kommerzieller Durchbruch kam Mitte der 90er mit seinem „Garbo“-Papierkorb, ein Kassenschlager, der es sogar in die Dauerausstellung des New Yorker Museum of Modern Art schaffte. Der Name seines Werkes ist einerseits eine Anlehnung an das englische Wort „garbage“ (zu dt.: Müll), andererseits eine Anspielung auf den weltberühmten Filmstar, dessen Kurven sich in seinem Papierkorb wiederfinden sollen.
Dazu Rashid: „Ich fand, dass Alltagsgegenstände mit Leben gefüllt werden müssten, sie bräuchten eine Präsenz, sollten unangenehme Aufgaben angenehmer machen. Da dachte ich sofort darüber nach, wie man Objekte sinnlicher gestalten kann.“ Heute sind seine Werke in 20 Dauerausstellungen und Galerien auf aller Welt zu bewundern, unter anderem im Centre Pompidou und im SFMOMA. Der mehrere Ehrendoktortitel tragende Künstler spricht zudem häufig als Gastdozent an Universitäten und auf Konferenzen über die Bedeutung von Design im Alltag.
„Meine Werke sind breit angelegt, von mikro bis makro“, sagt er. Zu seinen größeren Projekten gehört aktuell ein Resort in Cancún, Mexiko, mit 500 Zimmern. „Es wird neu gebaut, ich bin also für die Bauplanung, die Innenausstattung sowie für die Gestaltung der Restaurants zuständig. Ich habe erst vor Kurzem, vor etwa 15 Jahren, angefangen, Hotels zu entwerfen. Zu meinen Projekten gehören auch drei Budgethotels in Norwegen und einige weitere in Deutschland.“ Zu Rashids Kunden zählt auch die Hotelgruppe prizeotels in Deutschland, in deren Häusern alles, von den Löffeln für das Frühstücksbüffet bis hin zu den Möbeln auf den Zimmern, seine Handschrift trägt.
Die Vielzahl seiner Projekte auf aller Welt ist erstaunlich. Wie kann er das alles bewältigen? „Auf einem Flug von Barcelona nach Miami zeichnete ich rund 100 Skizzen für 11 kleinere Projekte. Die Mikroprojekte, sagen wir eine neue Uhr, können sehr persönlich sein, und ich komme schnell zu einem für mich zufriedenstellenden Ergebnis. Bei den größer angelegten Architektur- und Innenausstattungsprojekten sind viele Menschen beteiligt, und Details können sich täglich ändern. Aber in den größeren Projekten finde ich viel Erfüllung. Ich erkläre auch, warum. Sagen wir mal, ich entwerfe einige Weingläser. Jemandem gefällt ihre Form und Haptik, er fasst sie an, trinkt aus ihnen. Aber das war’s auch schon. Entwirft man etwas wie ein Hotel, beeinflusst man die Erfahrung der Gäste in jedem Bereich während ihres gesamten Aufenthalts. Das Weinglas steht im Restaurant und trägt genauso zur Erfahrung der Gäste bei wie die Umgebung, der Tisch, die Sitzgelegenheiten oder meine Zeichnungen auf den Speisekarten. Dann gehen sie auf ihr Zimmer und das Bett, das ich entworfen habe, die Kunst an den Wänden, die Tapete, das Bad haben ihrerseits eine Wirkung. Es ist also möglich, die Erfahrung eines Menschen auf vielerlei Ebenen zu prägen. Andererseits müssen es nicht immer Architekturprojekte sein, die einen großen Wirkungsradius haben. Vor Kurzem habe ich eine neue Pepsi-Flasche entworfen, etwas ziemlich Elementares, aber das Design berührt das Leben der Menschen jedes Mal, wenn sie die Flasche in die Hand nehmen.
Rashid mag Künstler sein, aber er ist auch ein Verfechter des praktischen und demokratischen Designs. Er sagt: „Ich vergesse nie meinen ersten Besuch auf der Mailänder Möbelmesse, als ich Anfang 20 war. Sie war wirklich klein. Es gab einige wenige Stadesigner aus Italien, aber die breite Öffentlichkeit konnte mit Design nicht wirklich etwas anfangen. In den letzten 30 Jahren habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, Design zu demokratisieren und darüber aufzuklären, was gutes Design ausmacht, indem ich Menschen über meine Werke erreiche und meine Vorstellungen verbreite.“

karimrashid.com

„Leuchtende Farben geben einem Raum  viel positive Energie“
Karim Rashid

„Der eine Künstler, dessen Arbeiten ich sammeln würde, wenn ich könnte, wäre Pablo Picasso.“
Karim Rashid

„Mein Stilvorbild war David Bowie – äusserst vielseitig und immer innovativ. 
Ich fühle mich zu menschen hingezogen, die einen solchen Geist versprühen.“
Karim Rashid

„Objekte  haben keine Bedeutung. Aber wenn ein Objekt durchdacht ist, projizieren wir im Alltag eine Bedeutung darauf.“
Karim Rashid

Oh!-Stuhl
Umbra, Kanada 1999

Rashid: „Beim Oh!-Stuhl ging es mir vornehmlich um die Funktion: 
ein leichter Stuhl mit Löchern, durch die er sich bequem tragen und stapeln lässt. Seine etwas nach hinten gekippte Lehne bietet  ein wenig mehr Komfort. Durch all diese praktischen Eigenschaften konnte er sich auf dem Markt behaupten.“ Darüber hinaus ist er in der Dauerausstellung des 
San Francisco MOMA zu sehen.

Kook-Küchenzeile
Aran Cucine von Rastelli, Italien 2012

Die futuristische Küchenzeile „Kook Kitchen“ hat ein völlig ergonomisches Design. Die unter den Arbeitsflächen und in den Oberschränken angebrachten LED-Leisten setzen Lichtakzente, die angeschrägten Regale lassen sich mit Rollläden schließen.  „Ich wollte ein innovatives Design, die selbst die schwierigsten kulinarischen Unterfangen zu einem puren ästhetischen Genuss machen“, so Rashid.

nhow Hotel, Berlin
NH Hotels, Spanien 2010

Rashid: „NH Hotels ist eine große, aber wirklich intelligente Hotelkette. Für das nhow Hotel Berlin wollte ich ein originelles esoterisches Haus schaffen (wie die Stadt selbst), das dennoch den NH-Standards entspricht. In meinem Konzept setzte ich auf Technologie, fließende Übergänge… alles, was untrennbar mit einer Unterkunft in einem schlichten, weniger überladenen, sinnlichen Umfeld verbunden ist. Hier zu sehen: Die Lounge-Bar mit ergonomischen Sitzgelegenheiten in runden Formen.

nhow-berlin.com

Method-Seifenspender
Method, USA 2003

Der von Rashid entworfene Seifenspender für die günstige und parabenfreie Handseife ist einer riesigen Träne nachempfunden und wie geschaffen für ein Produkt aus natürlich gewonnenen und biologisch abbaubaren Inhaltsstoffen. Der Seifenspender ist zu 100 % recycelt und recycelbar.

Lava-Sitzbank
Vondom, Spanien 2010

Diese wolkenförmige Sitzbank ist eine große abgerundete Skulptur, die durch einen komplexen Herstellungsprozess im Rotationsgussverfahren geschaffen wird. Rashid wollte Schönheit mit Luxus, Leistung und Funktionalität kombinieren und einen sozialen Treffpunkt für sowohl Innen- als auch Außenbereiche schaffen.

High Heels
Brasilien 2005

Bei Rashids Design-Debüt für ein brasilianisches Unternehmen vereint er moderne und weibliche Elemente in diesem von ihm auf den Namen „geodesic-galactic“ getauften, biegsamen Kunststoffschuh.

Solarin-smartphone
Sirin Labs, Israel 2016

Das mit intelligenteste und sicherste Handy der Welt: entworfen von Rashid und sorgfältig gefertigt von Technikern, die sonst für die Herstellung der weltbesten Uhren 
verantwortlich sind. sirinlabs.com

Cadmo
Italien 2008

Diese von Karim Rashid entworfene Leuchte, Sieger des International Forum for Design 2010 in Hannover, hüllt das Licht in einen Mantel aus zartem Stahl. Der gewölbte Spalt erzeugt einen vertikalen, leicht gestreuten Lichtaustritt. Die indirekte und diffuse Lichtemission wird durch Halogenstrahler generiert, die getrennt dimmbar sind.
artemide.com

Garbo-Papierkorb
Umbra, Kanada 1995

Der Garbo wurde seit seiner Markteinführung millionenfach verkauft, was sowohl das Produkt als auch seinen Erschaffer zum Superstar macht.

Bobble-Wasserflasche
Move Collective, USA 2010

Die äußerst erfolgreiche, schlanke und wiederverwendbare Bobble-Wasserflasche ist in unterschiedlichen Größen erhältlich und hat einen integrierten Filter, der das Wasser nachhaltig direkt beim Trinken von Verunreinigungen befreit.

Ottawa-Kollektion
BoConcept, Dänemark

„Ich wollte schon immer mal mit BoConcept zusammenarbeiten und eine praktische Kollektion entwerfen, die sowohl minimalistisch als auch sinnlich ist“, so Rashid über seine preisgekrönte Ottawa-Esszimmergarnitur bestehend aus Tisch, Stühlen, Sideboard, Schränkchen und Accessoires. Der in seiner kurvigen Form von der Natur inspirierte, blätterförmige Ottawa-Esszimmerstuhl hat eine äußerst bequeme gepolsterte Sitzfläche.
boconcept.de

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Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Frühling 2017

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